Man soll es einfach nicht tun. Wer sich am Freitag nicht aufraffen kann, wichtige Einkäufe zu tätigen, sollte es am verkaufsoffen Sonntag tunlichst unterlassen und lieber hungern. Vor allem dann, wenn am Samstag die Geschäfte aufgrund eines Feiertages geschlossen hatten. Abgesehen vom anzusetzenden Zeitaufwand (Ein Brot, etwas Grünzeug und eine Kiste Mineralwasser = 2 Stunden), dem Stressfaktor (kann am Sonntag plötzlich keiner mehr Autofahren? Und wenn ja, warum fahren dann alle zum Supermarkt?) kann der Einkauf schwere Schäden am Gesellschaftsbild hinterlassen. Es seien nur einige Beobachtungen genannt, die diese sonst innerhalb von 25 Minuten abgeschlossene Einkaufstour aufwirft. die Liste ist ungeordnet und unvollständig:
- Sprit ist noch zu billig. Also gut, auch ich bin mit dem Auto gefahren, wo laufen angesagt gewesen wäre. Aber: So so oft wie am Sonntag die Kombination: Familienauto, gross (gerne auch SUV)-Einzelperson-ein Artikel zu zählen war, gibt zu Denken. Nur als Hinweis: in den zwei Stunden EInkaufszeit wurden die 35 Minuten Stau beim Verlassen des Parkplatzes nicht mit eingerechnet.
- Der Markt an Kaffeemaschinen, die mit “Kaffepads” betrieben werden, ist endlos. Auch hier: das Zeug schmeckt anders und oft auch besser als Filterkaffee, aber müssen in jedem Haushalt mindestens zwei von den Dingern stehen? In den zwei Stunden wurden die Geräte einkaufswagenweise aus dem Markt gekarrt. Das man eines für den Nachbarn mitbringt, kann ich ja noch glauben, aber 5?
- Deutschland verfettet. Ein Grund könnte in Punkt 1 liegen. Dennoch: Es gibt untrügliche Zeichen dafür, dass man den Bereich des “Normalgewichtes” oder “Wohlfühlgewichtes” zügig und weit hinter sich gelasssen hat. Wenn es beispielsweise schwierig wird, die Passage an der Kasse im Supermarkt frontal zu bewältigen und diese seitwärts angegangen werden muss, wäre eines davon. Ein Weiteres wäre die durch den Leibesumfang verursachte Unmöglichkeit ein Drehkreuz zu passieren. Unsere Umwelt möchte uns etwas Wichtiges mitteilen, wenn dadurch der Zugang zum Selbstbedienungsrestaurant verwehrt wird. In diesem Fall teilt sie uns auf subtile Weise mit, dass eine weitere Nährstoffzufuhr momentan und in absehbarer Zukunft eigentlich nicht zwingend notwendig ist. Betrachtet man die Problematik unter dem Blickwinkel der sozialen Schichtung (Abgeleitet aus Kleidung (Jogging- oder “kleiner Bieranzug” gegen Barbour-Jacke), Fahrzeug (Kombi gegen SUV) und Gesichtsausdruck in der Warteschlange (latent agressiv gegen offen indigniert)) scheint auch “reich und vollgefressen” nicht mehr zu stimmen. Wer “höher” steht, ist seltener dick, und das liegt wohl eher nicht am erhöhten Kalorienverbrauch durch Reizklima in der Höhenlage.
Das Fazit: LEBENSZEITVERNICHTUNG, vorsätzliche. Man sollte es nie wieder tun. Es ist einfach nicht gut fürs Herz und die Nerven.