So kann man das natürlich auch sehen. Was in Köln am Wochenende passiert ist, war -in mehrfacher Hinsicht- ein Trauerspiel. Und dies aus mehreren Gründen.
Erstens: Es gibt sechzig Jahre nach Adolf und seinen Freunden immer noch, oder wieder, genügend „Demokraten“, die, und das nur teilweise unter einer dünnen Tarnschicht, kackbraun bis ins Mark sind.
Zweitens: Dieses Klientel ist zumindest so bauernschlau, Themen, die sich zur Angstgenerierung eignen aufzugreifen und zu eigen zu machen. Das funktioniert auch wunderbar, weil die „Demokraten“ dieses Landes sich mit diesen Themen einfach nicht beschäftigen. Über die Gründe kann man spekulieren, es scheint aber so, als wolle man offen zutage tretende Probleme nicht ansprechen.
Das kann mehrere Günde haben:
- Angst davor sich die Finger schmutzig machen zu müssen
- Man müsste zugeben, nicht alles richtig gemacht zu haben
- Bequemlichkeit
- Man wills nicht sehen
- Es ist einfach egal
Es wirkt aber im Endeffekt so, als hielte sich ein kleines Kind die Augen zu, weil „wenn das Problem nicht sehen kann, existiert auch kein Problem“.
Drittens: Ein nicht unerheblicher Teil der „Demokraten“ dieses, unseres Landes erkennen nicht einmal diese simple Tatsache. Oder schlimmer noch: Sie ignorieren sie. Das führt nicht nur dazu, daß die Themen von der Extremisten von rechts aufgegriffen werden. Es führt dazu, daß sich auch die Extremisten von links angesprochen fühlen. Die geben dann unter dem Deckmantel der Demokratie vor, für die Freiheit anderer zu kämpfen. Wissen wir doch, daß die Freiheit sowohl unter rechter als auch unter linker Herrschaft das höchste Gut war und ist.
Der Aufstand der Anständigen rollt, die Menge brüllt brav „NAZIS RAUS“ und „Kein Fussbreit den Faschisten“. Das ist prinzipiell richtig, greift aber zu kurz.
Gegen die „Autonomen“ oder „Antifaschisten“ -von denen in diesem konkreten Fall Gewalt ausgeübt wurde- grenzt man sich nicht deutlichst ab. Im Gegenteil. Die Vorgänge beim G8 Gipfel haben ja bereits deutlich gemacht, daß die gewalttätigen Linken eher noch toleriert werden. Das geht bis hin zur offenen Sympathiebekundung. Am Wochendende haben die Anständigen sie im Schutz der Masse wieder gewähren lassen. So macht man sich mit deren Sache gemein.
Zusammengenommen kann man eigentlich nur zu dem traurigen Schluss kommen, daß hier nicht die Demokratie gesiegt hat. Im Gegenteil. Freiheit und Demokratie werden über sechzig Jahre nach der gewaltsamen Zerschlagung des Nationalsozialismus und zwanzig Jahre nach der Abschaffung des real existierenden Sozialismus auf deutschem Boden immer noch nicht als Geschenk begriffen, das es zu erhalten lohnt. Beiden Werten wird weder die Wertschätzung entgegengebracht, die sie verdienen, noch werden die den beiden Werten innewohnenden Chancen wahrgenommen. Das System in diesem Land und die Bürger dieses Landes, die sich hier stolz als „Demokraten“ bezeichnen, reagieren auf die existente Bedrohung dieser Werte in völlig inkonsistenter Weise. Kommt sie von rechts, mit Hysterie, kommt sie von links mit Lethargie.
Wären beide Werte in der Gesellschaft fest verankert, und würden alle diese Werte teilen, würde auf beide Bedrohungen anders reagiert. Angemessen, sachlich und konsequent. Verbote wären nicht nötig. Die Rattenfänger von beiden Rändern der Gesellschaft würden sich durch ihr blosses Auftreten bereits lächerlich machen.
Köln hat am Wochenende bewiesen, daß man von einem solchen souveränen Umgang mit Freiheit noch weit entfernt ist. Das ist kein Sieg der Demokratie. Das ist -gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte- ein Skandal.